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Bastert Einspurauto, Teil 1 (2009)
Wie man an ein Bastert Einspur - Auto kommt ( Teil 1.)
Ende Februar 1987 musste ich beruflich nach Berlin. Die Mauer stand noch und es war mein erster Besuch in der ehemaligen Deutschen Hauptstadt.
Meine Freundin und eine Arbeitskollegin begleiteten mich. Nach Feierabend streiften wir durch die Stadt und sahen uns die Sehenswürdigkeiten an. Was für eine Sehenswürdigkeit im Verborgenen lag, ahnte ich noch nicht.
Am Ende unserer Besichtigungstour landeten wir in der Zitadelle. Dort kamen wir mit einem Mann näher ins Gespräch. Wir unterhielten uns über dies und das und nebenbei erzählte ich, dass ich begeisterter Motorrollerfahrer sei.
So ein Ding sei er früher auch gefahren. Das war so ungefähr 1960. Ob ich das Bastert - Einspur - Auto kennen würde, so einen habe er gehabt.
Ich wurde ganz aufgeregt, natürlich kannte ich das Bastert - Einspur - Auto. Damals waren vielleicht 1200 Stück davon gebaut worden. Ein mir bekanntes Exemplar stand in Bad Iburg im Museum und ein weiteres in Aarbergen.
Vorsichtig fragte ich, ob noch irgendetwas vorhanden sei. Unterlagen, Papiere, Fotos, ect., oder ob er alles weggeworfen hätte, wie das damals so üblich gewesen sei.
Er überlegte kurz und sagte dann, er glaube er habe noch ein paar Papiere und sogar noch Fotos müssten existieren. Der beschädigte Roller sei seid 1960 im Keller. Eigentlich habe er sich überlegt ob er das Teil nicht einem Museum schenken sollte, aber die wollten ja nur heile Teile. Ich glaubte mich verhört zu haben und fragte sicherheitshalber noch einmal nach.
Ich konnte es nicht glauben, da hatte dieser Mann seid 27 Jahren ein Bastert - Einspur - Auto im Keller stehen.
Ob er wohl so aussieht?
Mir wurde schwindelig bei dem Gedanken.
Jetzt nur vorsichtig zu Werke gehen, nur nicht übereifrig erscheinen. Also fragte ich, was denn mit dem Teil passiert sei.
Er erzählte, dass Ihm ein Lastwagen, voll mit Eiern, die Vorfahrt genommen hätte. Der Fahrer wollte nicht bremsen, da es sonst Rührei gegeben hätte und darum sei er Ihm lieber vorne drauf gefahren. Das hatte das Vorderblech ( Alu ) nicht gut vertragen. Er habe ihn immer reparieren wollen, aber dabei sei es dann geblieben. Kurze Zeit später habe er sich dann ein Auto zugelegt, der Roller zum wegschmeißen aber zu schade gewesen.
Nervös wie ich inzwischen war, warf ich ein, ob er schon mal an verkaufen gedacht hatte. Eigentlich nicht, da er nicht wisse wie viel man dafür verlangen könne. Erwartungsvoll sah er mich an. Jetzt war ich in der Zwickmühle. Wild schossen mir die Gedanken durch den Kopf, vielleicht kennt er die Preise doch, vielleicht hatte er gar keinen Motorroller und wollte sich nur wichtig machen. Und wenn er nun doch einen hat und ich nannte einen Preis der zu niedrig war, oder zu hoch, woher sollte ich wissen in welchem Zustand er sich überhaupt befand. Vorsichtig meine ich, ohne ihn gesehen zu haben,……so 500 DM.
Gespannt wartete ich auf seine Reaktion, er überlegte nicht lange und stimmte dem Preis zu. Ich atmete tief durch. Am liebsten wäre ich sofort losgefahren und hätte mir die Maschine angesehen. Doch der Besitzer wehrte ab, er habe sie in der hintersten ecke stehen und müsse sie erst einmal Freiräumen. Ich solle mich im laufe der nächsten Woche melden.
Zwei Tage später rief ich an. Er erzählte mir, die Papiere hätte er leider doch nicht mehr, aber der Roller sei nun freigeräumt. Leider konnten wir uns auf einen Besichtigungstermin während meines Berlin Aufenthaltes nicht einigen. So fuhren wir ende der Woche unverrichteter Dinge nach Hause. Von dort versuchte ich telefonisch einen Termin auszumachen, aber es war wie verhext. Entweder konnte ich nicht, oder es klappte bei Ihm nicht.
Dann mitte mai schien es aus zu sein mit meinem Traum von einem 500 DM Bastert - Einspur - Auto. Im Fernsehen wurde die Sendung " Gesucht - Gefunden " ausgestrahlt, in welcher Roller und Kleinwagen vorgestellt wurden, unter anderem auch ein Bastert - Einspur - Auto. Es wurde sogar darauf hingewiesen, dass von ca. 1200 gebauten Maschinen nur noch 5 bekannt wären.
Ich bekam ein ganz schlechte Gefühl in der Magengegend und konnte mich am nächsten Tag nicht auf die Arbeit konzentrieren. Wenn er nun die Sendung gesehen hatte, dann war es aus. Den ganzen Tag habe ich versucht den Mann zu erreichen, aber entweder war besetzt oder der Anrufbeantworter war dran. In der Zwischenzeit stellte ich mir die schrecklichsten Sachen vor, z. B. immer wenn besetzt war, jetzt ruft wieder ein Interessent an und die überbieten sich in den Preisen.
Abends klappte es dann endlich und wir konnten uns auf einen Termin im Juni einigen.
500 DM bringe ich also mit, sagte ich fragend und er bestätigte den Betrag. Innerlich atmete ich auf, er hatte die Sendung nicht gesehen.
Juni. Morgens um 7 Uhr ging es los. Nachmittags waren wir da. Ich konnte es immer noch nicht glauben dass ich gleich einen Bastert - Roller mitnehmen sollte.
Parkplatz suchen und finden, klingeln, Kaffee und Kuchen und warten und ich nervös ( wollte den Roller nun endlich sehen ). Dann war es soweit.
Über einen kleinen Hof ging es durch einen düsteren Kellereingang eine schmale, glitschige und steile Treppe herunter. Da passt doch im Leben kein Bastert durch, höchstens in Einzelteilen schoss es mir durch den Kopf.
Unten angekommen standen wir vor einer uralten Holztür. Knarrend öffnete sie sich, kalte, modrige Luft schlug uns entgegen.
Da stand er endlich………
Die Vorderfront war ziemlich beschädigt, schien aber ansonsten komplett zu sein, bis auf das Bastert - Zeichen auf dem vorderen Schutzblech. Das war wohl bei dem Unfall liegen geblieben.
Nach fast einer Stunde Schweißtreibender Schufterei hatten wir ihn aus dem Keller und auf dem Anhänger verstaut und acht Stunden später war das Bastert - Einspur - Auto im Sauerland.
Jahre später sah das gute Stück dann so aus.
Und noch ein paar Jahre später wurde er mit einem Seitenwagen ausgestattet.
Soweit Teil 1 der Geschichte.
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