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Bastert Einspurauto, Teil 3 (2009)
Wie man ein Bastert Einspur - Auto bekommt.
Oktober 09, es war Veterama.
Schon seit vielen Jahren gehörte diese Veranstaltung zu meinem Pflichtprogramm und so schlenderte ich auch dieses Jahr wieder durch die Gassen der Teilehändler. Ich hatte mich mit Christoph verabredet und traf ihn dann auch, um etwas fachzusimpeln. Natürlich fiel das Gesprächsthema auch wieder auf sein Bastert Einspur-Auto, jener ultraseltener Roller, der so traumhaft ist wie das sonnige Herbstwetter an diesem Freitag. Auch beim Abendessen mit meinen südbadischen Oldie-Kollegen kam dieses Thema wieder auf. Alle, die mich als Liebhaber klassischer deutscher Motorroller kennen wissen, dass dieser ungewöhnliche Roller schon immer zu den absoluten Favoriten auf meiner Wunschliste gehörte, aber unerreichbar schien.
Weil es am Samstag in Strömen regnete, entschied ich mich, mit meinem Rollerfreund Franz in die Halle zu flüchten. Dort trafen wir weitere Hobby Kollegen.
Karsten erzählte, dass er jemanden getroffen hätte, der noch Goggo-Teile übrig hätte und diese loshaben möchte. Jener Achim hätte wohl noch mehr Sachen, die er verkaufen wollte. Eher beiläufig erwähnte Karsten dann, dass darunter auch ein Bastert-Roller wäre und wedelte mit einem Zettel mit Achims Telefonnummer vor meiner Nase herum. Zeitgleich klappte meine Kinnlade runter auf Kniehöhe und meine Augen waren mindestens so groß wie der Hella-Scheinwerfer eines Einspur-Autos! Total perplex filterten meine Ohren noch Sätze heraus wie „Dein großer Traum.“, „Den musst du holen.“ und „Eine einmalige Gelegenheit“. Franz, Dirk und Lukas waren wohl begeistert von dem Gedanken, dass bald so ein Luxus-Liner meine Rollersammlung schmücken könnte. Auch mir war sofort klar, dass sich eine solche Chance nicht wiederholen würde, zumal der Roller wohl nur 100Km von meinem Wohnort entfernt stand.
Als wir nachmittags auf der Heimfahrt waren kamen mir auch schon die ersten Zweifel: „Kann das überhaupt sein? Ein verkäufliches Bastert Einspur-Auto? Hab ich das richtig verstanden? Oder hat Karsten vielleicht was falsch verstanden? Oder wollen dich deine Kollegen vom Stammtisch womöglich mitten im Oktober in den April schicken...?“ Auch auf die Gefahr hin, mich zum Gespött des Stammtisches zu machen, wählte ich die auf den Zettel gekritzelte Nummer und erreichte Achim am Sonntag Abend. Er bestätigte die Geschichte und nach einem netten Gespräch schienen die Sterne recht gut für mich zu stehen. Denn offenbar hatte er schon öfter von mir als engagierten Rollersammler gehört und er wollte nicht, dass sein Roller in die Hände eines Spekulanten, sondern in eine Sammlung kommt. Leider konnten wir uns erst auf einen Besichtigungstermin am darauf folgenden Donnerstag einigen und so folgte eine sehr sehr unruhige Nacht. Am Montag Abend meldete sich Steffen, um Neuigkeiten von der Veterama zu erfahren. Nachdem ich ihm „Dies und Das“ berichtete erzählte ich zum Schluß noch diesen Hammer mit dem Bastert. Totenstille am anderen Ende der Strippe und ich musste erst mal nachfragen, ob Steffen denn noch ansprechbar oder schon ohnmächtig war.
Offenbar war er genau so baff wie ich am Samstag und er wollte gerne am Donnerstag mitkommen. Allerdings hätte er an diesem Tag bereits familiäre Verpflichtungen, aber in diesem Fall musste man ja Prioritäten setzen, die ganz klar in Richtung Bastert-Bergung tendierten. Es folgten nochmals 3 schlaflose Nächte und Arbeitstage ohne Konzentrationsfähigkeit. Immer wieder suchte mich der selbe Albtraum heim: Als ich den Bielefelder Straßenkreuzer holen wollte war ich zu spät dran und sah grade noch, wie ihn ein anderer Käufer auflud und abtransportierte. Der absolute Horror! Doch endlich war es Donnerstag und Feierabend.
Steffen wartete auch schon ungeduldig auf mich. Er war mindestens genau so aufgeregt wie ich und konnte es ebenfalls kaum erwarten, diese Rarität endlich mit eigenen Augen zu sehen.
Nach 1,5 Stunden Fahrt erreichten wir Achims Haus, wo er schon in seinem Lager über der Garage wühlte. Natürlich kletterten Steffen und ich sofort auch hinauf und da stand das Objekt der Begierde also ganz hinten in der Ecke. Meine Augen begannen zu funkeln wie die Rückstrahler des Einspur-Autos bei Sonnen-Einfall! Achim erzählte, dass er dieses Haus vor 13 Jahren kaufte und der Roller seither hier lag. Eigentlich wollte er ihn wieder flott machen, aber ihm fehlte immer die Zeit.

Dazu gab es den alten Papp-Brief, eine „vorläufige Kurz-Bedienungsanweisung“ sowie die Kundendienstkarte. Außerdem war noch ein besonderes Zubehörteil der Bastert-Werke dabei: Ein größerer Sozius-Sitz, der anstelle des kleinen klappbaren Brötchens montiert werden konnte und mehr Komfort für die Beifahrerin versprach. Während Achim diese interessanten Details erzählte nahm ich den Roller genauer in Augenschein.

Die Substanz für eine Restaurierung schien mit Ausnahme des Auspufftopfes hervorragend. Nur die Steckachsen fehlten, deshalb stand dieser majestätische Roller nun „barfuß“ da. Spätestens jetzt war klar, dass dieser Roller die längste Zeit in dieser dunklen Ecke stand und kurze Zeit später in meinem VW-Bus verschwinden würde. Für die Formalitäten gingen wir in den Keller, wo ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge einige 500er Scheine auf der Waschmaschine ausbreitete. Zum Glück konnte ich das Geld noch auftreiben. Den Kaufbetrag für ein Bastert Einspur-Auto hat man ja nicht grade unterm Kopfkissen liegen, nicht mal als Schwabe! Doch nun folgte noch eine weitere aufregende Aufgabe: Es musste einer der größten und schwersten Motorroller der Nachkriegsjahre über eine steile Leiter runter in den Hof getragen werden. Bei dieser Aktion kam ich ganz schön ins Schwitzen. Nicht nur weil die 150Kg des Rollers an meinen Händen und Armen zerrten. Vielmehr ließ ein schrecklicher Gedanke meinen Schweiß über die Stirn rinnen: Wie würde der „Einspurer“ wohl nach einem Sturz aus 2,5 Metern Höhe aussehen? Die Bilder, die durch meinen Kopf schossen ließen meine Hände umso kräftiger zupacken und so brachten Achim und ich das gute Stück sicher auf festen Boden. Steffen reichte noch die abgebauten Teile nach und das Ganze war dann schnell in meinem Multivan verstaut. Nach einigen weiteren Worten über unsere teils verrückten Hobby-Aktivitäten verabschiedeten wir uns und peilten meinen Heimatort Metzingen an.

Ich konnte es immer noch nicht so recht fassen, genau hinter mir lag nun dieser lang ersehnte Traum. Zu Hause angekommen stellten wir, angespornt durch Steffen, den Roller erst einmal provisorisch auf die Räder.

Zur weiteren Bestands-Aufnahme tauchte nun auch mein Vater auf, der sich immer wieder begeistert von meinem Hobby mitreißen lässt. „Der sieht ja noch viel besser aus als ich dachte.“ meinte er, während er sich an vielen liebevoll gestalteten Details dieses außergewöhnlichen Design-Objekts erfreute. Wie er mir damit aus dem Herzen sprach! Steffen holte inzwischen eine Flasche Sekt aus seinem Auto, denn dieses Ereignis musste doch gebührend gefeiert werden. Seit genau 20 Jahren war ich nun begeisterter Rollerfahrer und interessierte mich für Motorroller der Wirtschaftswunderzeit. Ein schöneres Geschenk hätte mir das Schicksal zu diesem Jubiläum nicht machen können. Übrigens war die Hoffnung vergebens, dass ich nun endlich wieder ruhig schlafen könnte. Schließlich hatte ich gerade die aufregendsten Tage meiner Rollerkarriere hinter mich gebracht!
Anm. der SORF.
Hallo Volker,
wir gratulieren Dir zu dem tollen Fang und hoffen auf einen schönen Restaurationsbericht von Dir.
Alles gute von den
S.O.R.F.
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