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Prima Einspuranhänger (2011)
Als ich 1992 von Wilhelmshaven nach Dresden zog , sah ich zum ersten Mal einen Berliner Roller mit Anhänger.
Da ich schon immer ein Rollerfan war (Zündapp Bella, vom Vater verschrottet. Goggo 200, gestohlen), ging mir dieses Bild natürlich nicht mehr aus dem Kopf. Es ging noch viel Zeit ins Land bevor ich überhaupt wieder einen Roller mein Eigen nennen konnte. Durch Zufall im Urlaub 2008 in meiner Heimatstadt wurde eine NSU Prima angeboten, die ich dann von einem älteren Herrn erstand und mit nach Dresden nahm. Nach der Restauration fuhr ich auf einige Treffen in der Umgehung von Dresden und da waren sie wieder. Berliner mit „Campi", "Panonia mit „Motokuli oder Pille". Mit Neid schaute ich mir immer diese Fahrzeuge an und immer mit dem Gedanken, dass das mit meiner Prima ja nicht geht.
Aber da kam der Tag an dem sich alles veränderte. Ich stöberte, wie so oft, auf den "SORF" Seiten und was entdecke ich bei den Bildern vom SORF Treffen 2009? Eine Lambretta mit Anhänger. Dann muss es mit der Prima auch gehen.
Ab da war kein Halten mehr. Ich fuhr zu meinem Freund Uwe (Fischi) und erzählte ihm davon. Er fährt zwar keinen Roller, sondern eine 1300 Yamaha „Road Star", aber die Idee mit dem Hänger hat ihn natürlich brennend interessiert.
Da wir Männer ohne viel Worte sind, bauten wir die Seitenteile meiner Prima ab und stellten sie hinter meinen Roller.
Man muss ja ungefähr wissen wie das den aussieht. Einfach PRIMA. Nun ging es darum, was darf man und was nicht.
Das ganze Internet wurde durchforstet. In vielen Foren kam aber meistens dasselbe raus: "Du musst zum Tüv, du musst alles eintragen lassen, lass dich nicht erwischen" und zum Schluss immer der Satz: „ So genau weiß ich das aber auch nicht. Ich schrieb dann Christoph Bruening an, der mir einen wertvollen Tipp gab (danke nochmal).
Also Eispuranhänger sind TÜV und Zulassungsfrei die vor dem 1.7.1961 erstmals in Betrieb genommen wurden.
Ich also mit diesen Informationen und der Zeichnung von meiner Kupplung zur Dekra. Der Mensch war erstaunt über diese Information. Nach kurzer Zeit in seinem Büro kam er wieder und meinte:" Sie haben Recht, das ist ja mal ein Ding".
Das Problem war geklärt. Nun zur Kupplung dachte ich mir und legte ihm meine Zeichnung vor, gab noch Infos wie S 236 Stahl, 10.2 Schrauben und original Jawa Kreuzgelenk vom PAV Hänger. Er nickte und meinte, wenn ich die Kupplung an der Prima so baue, wie auf der Zeichnung, würde er mir eine Zulassung geben .Sauber und jetzt die Gunst der Stunde ausnutzen und gleich nach einem Eigenbau fragen. Nichts mit Gunst der Stunde. Er klärte mich auf, dass ein Eigenbau sehr teuer wird. Materiallabor, zwei Hänger müsste ich bauen, damit sie einen zerstören können usw.
Ich war auf einmal sehr traurig, bis er mir zuzwinkerte und meinte, wenn sie einen alten PAV oder Campi Anhänger hätten und den restaurieren, ist das ganz was anders. Jetzt war ich nicht mehr traurig, denn ich wollte so schnell wie möglich in meine Werkstatt zu „meinem alten PAV oder Campi Anhänger.
In derselben Nacht bestellte ich bei Ebay zwei Seitenteile einer Prima bei „Teilegrün" für einen annehmbaren Preis. Einen Rahmen brauch ich auch noch. Erst einmal eine Schwinge die auch für eine Reifengröße 3,50x 10 geeignet ist.
Es ginge eine von einer „Monkey", aber Schwinge, Reifen, Felge, Stoßdämpfer und Achse sind auch gleich mal 200,-€.
Hier muss es noch eine andere Lösung geben. Wie wäre es mit einer Vordergabel? Gesagt gesucht.
Sie muss passend für 3,5x10 zoll Räder sein und darf bis zur Gabelbrücke nicht höher als 47 cm sein, sonst steht der Roller mit dem Hänger nicht in einer Linie. Ich bin dann bei uns in der Nähe zu einem Rollerhändler gefahren. Der zeigte mir sein Schrottlager für Chinaroller und da lag sie, eine Vordergabel von einem „Kymco" Roller.3,50 x 10 zoll Reifen und bis zur Gabelbrücke 48 cm. Komplettes Rad mit Gabel und Achse 50,-€.Das geht doch, oder?
Die Seitenteile waren auch schneller als gedacht da und so konnte der Bau des Koffers beginnen. Der musste als erstes fertig sein, damit ich meinen „alten Rahmen vom PAV oder Campi" restaurieren kann.
Ich wollte das gesetzlich vorgegebene Breitenmaß von einem Meter schon ausnutzen, aber sollte immer noch zum Roller passen. Ich entschied mich die Trennungsfuge der Seitenteile um 18 cm zu verbreitern.
Die angezeichneten oberen Teile wurden später abgetrennt und mit Zwischenblechen als Deckel hergenommen. Als nächstes musste ich mich entscheiden, ob ich den unteren Absatz (Trittbretter)an den Seitenteilen geradezu mache oder die Trittbretter der Prima übernehme. Ich entschied mich für letzteres und fand die Idee sehr gelungen.
Sah ja sowieso nach der Verbreiterung schon fast aus wie eine Musikbox der 60er.
Ich verbreiterte das Bodenblech umlaufend um 5 cm. Hier musste ich aber, genau wie bei den Prima Trittbrettern, eine Rundsicke anfertigen. Klingt schwieriger als es ist. Man nehme ein Chrimpzange und schweiße auf das untere Zangenmaul ein Rundeisen (die Enden sollte man abrunden um hässliche Macken zu vermeiden) auf das ober Zangenmaul ein etwas größeres halbiertes Rohr. Nun mit etwas Druck anfangen und bei jedem weiterem Gang den Druck mit der Stellschraube an der Zange erhöhen, bis man die Zange ganz durchdrücken kann. Die Zange eignet sich auch gut, um verbogenen Sicken am Beinschild wieder zu richten.
Jetzt konnten das Bodenblech und der Koffer verschweißt werden, um den Rahmen anzupassen .Das erste Mal konnte ich den „Hänger" auf Stützen hinter die Prima stellen.
Nun ging daran den Rahmen zu „restaurieren". Da kam aber schon das nächste Problem. Der Mann, der das Hauptrohr für den Rahmen biegen sollte, ist erst einmal in Urlaub gefahren und das kann dauern. Also, selbst ist der Mann.
30 mm Rohr mit 3mm Wandung
Nach einem Tag Arbeit war der Rahmen fertig.
Um eine optimale Federung zu erreichen wurde die Gabel, wie bei dem Teilespender, in einem 15° Winkel angeschweißt. Der Ständer fiel mir durch Zufall in die Hände und wurde gleich mit verbaut. Ich hatte ihn mal bei Ebay als Zugabe geschenkt bekommen. Keiner weiß wofür er eigentlich gedacht ist, aber unter den Hänger passt er perfekt. Nun konnte alles passend gemacht werden und weil man es nicht abwarten kann, muss auch schon mal gepackt werden.
Ich wollte eigentlich wie beim „Campi" eine Rückwand einbauen, aber dadurch hätte ich viel Platz verloren und entschied mich dann für den „Tunnelbau".
Wie am Anfang beschrieben nutzte ich die Abschnitte der Seitenteile für den Deckel. Wobei mir auch gleich noch die Idee für einen Gepäckträger kam.
Die gesamten Nähte wurden im Innenraum mit Kunstdichtmasse (Überlackierbar) abgedichtet.
Zum ersten Mal auf eigenen „Beinen".
Bevor es zum Lackieren ging, wurden alle Zier-und Anbauteile angepasst.
Die Anfertigung der Zierteile und Schriftzüge aus Aluminium werden in einem weiteren Beitrag näher beschrieben.
Nach stundenlangem spachteln, schleifen und lackieren, war es dann endlich so weit. Jetzt kam, wie viele Oldtimerbesitzer aus eigener Erfahrung wissen, der schönste Teil der Arbeit, der Zusammenbau.
Hier macht sich die Vorarbeit bemerkbar, wenn man nichts mehr anpassen oder bohren muss.
Die Dichtung stammt von einem Golf 3 Heckklappe, für 5 € vom Schrottplatz und die Zierleiste mit Gummileiste vom Trabant.
Auf der Suche nach einem geeigneten Rücklicht wurde ich nicht fündig und so entschied ich mich ein eigenes zu bauen, dass zum Stil der Prima passte. Die Blinker sollten intrigiert sein, denn einzelne an den Seiten kamen nicht in Frage.
Die Lampenfassung stammte aus einem Iveco Transporter mit Biluxbirne (Rücklicht, Bremslicht) und die Blinker wurden aus Einem Golf 3 zugeschnitten und mit 12V /21W Halogenlampen gefertigt.
Die Anfertigung wird in einem andern Bericht erklärt.
Der Rahmen war schnell, dank guter Vorarbeit, montiert. Um ein dröhnen zu vermeiden hatte ich alle Kontaktstellen zwischen Rahmen und Karosse mit Kompriband versehen.
Die Kabelschellen wurden zusammen mit der Zierleiste verschraubt. Da ich bei „meinem alten Hänger" sehr auf „originalgetreu" achte, konnte ich das alte PAV Zeichen im Bodenblech erhalten. Ich hatte es nur ein wenig „nacharbeiten" müssen. Auf die Achse des Ständers kam eine Druckfeder, damit ersparte ich mir die Zugfeder und eine Halteklemme für den Ständer.
Nun war es soweit, mein neuer alter Hänger war nun endlich fertig.
Mein „Campeggio".
Der Gepäckträger ist ein selbstbau und das Scharnier stammt von einem Studententisch, was ich mit Aluminium verkleidet habe.
Die beiden „Hutzen" sind nicht nur zur Zierde, sondern dienen als Entlüftung für den Kofferraum, damit bei einer längeren Reise nicht alles anfängt zu „müffeln". Die Belüftung befindet sich vorn im früheren Ansaugstutzen.
Die „Hochzeit"
Der „Zug" ist jetzt 3,37 m lang und hat ein Gesamtgewicht von 159 kg.
VORHER
NACHER
Was man aus einem alten Hänger doch machen kann. Seine 51 Jahre sieht man ihm nicht mehr an.
So, dass war‘s. Die „Restauration" meines alten Hängers ist nun abgeschlossen. Ich hoffe es hat euch ein wenig Spaß gemacht meinen Bericht zu lesen und vielleicht hat auch der eine oder andere einen „alten Hänger" irgendwo rumstehen. Ich muss jetzt Schluss machen, denn mein Freund „Fischi" hat gerade angerufen und mir erzählt, dass er zufällig einen alten Hänger bei sich im Schuppen gefunden hat.
Bis bald
Holly
holgerbrunken@web.de
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