Knatternd bis auf den Großglockner Rund um Roller

Gemeinsames Schrauben an alten Rollern (v.li.): Christoph Brüning, Holger Büchner und Norbert Brieden im Domizil der Schmallenberger Oldie-Roller-Freunde in einem umgebauten Kuhstall. (WR-Bilder [2]: Angelika Beuter)
(Schmallenberg. Seinen ersten Roller kaufte Norbert Brieden 1983 für 230 Mark: einen NSU prima in Beige. Losfahren konnte der heute 44-Jährige Grimminghauser nicht gleich: "Ich habe mir einen Anhänger voll Teile abgeholt", schmunzelt er. Viel Geld und Zeit investierte er - und irgendwann fuhr der Roller dann doch. Ähnliche Geschichten können wohl alle elf Oldie-Roller-Freunde erzählen, die sich seit über 20 Jahren im Schmallenberger Sauerland treffen.


Zehn Männer und eine Frau - alle zwischen 23 und 54 Jahre alt, von der Jura-Studentin bis zum Kfz-Elektriker - haben sich der Romantik auf zwei Rädern verschrieben: Sie restaurieren und fahren Motorroller aus den fünfziger und sechziger Jahren. Ob Goggo, Triumph, Bastert, Zündapp, Heinkel, Röhr oder Venus - gesammelt werden nur deutsche Roller. Und davon "eher die Seltenen", sagt Holger Büchner (33), Radio-Moderator aus Bad Fredeburg, "am liebsten solche, von denen es nur noch 15 Stück gibt".

Zuerst sammelte und schraubte jeder für sich. Dann lernten sich zufällig immer mehr Oldie-Roller-Freunde kennen. Seit Jahren schon haben sie ein Domizil gemietet, um die Roller und Einzelteile unterzubringen. Sechs Sammler aus dem Schmallenberger Stadtgebiet gehören zum Freundeskreis, fünf weitere aus der Umgebung. Jeden letzten Freitag im Monat ist Stammtisch in einem umgebauten Kuhstall.

Bierernst nehmen sie ihr Hobby nicht: "Es wissen zwar alle, wie man den Motor auseinander nimmt und wieder zusammen baut. Aber wir reden nicht die ganze Zeit nur darüber", betont Holger Büchner. Und so wurde ein Treffen im letzten Sommer zum Ereignis besonderer Art: Die alten Stuhlreihen aus dem längst geschlossenen Bestwiger Kino wurden aufgebaut, die Leinwand am Scheunentor montiert - und 35 Leute sahen sich "Die Brücke am Kwai" an. "Und noch irgendeinen alten Western", grinst der 33-Jährige, "aber der Film war eigentlich egal, es ging eben um die Atmosphäre."

Die findet sich überall: Die Sitzgruppe aus den Fifties fehlt ebenso wenig wie stilechte Lampen, das alte Radio oder eine Juke-Box. "Dies und das wird halt immer dazu gefunden", erklärt Christoph Brüning (48), Textilmaschinenmechaniker aus Gleidorf.

Im Mittelpunkt - natürlich - die Roller. Knapp 70 davon sind im Besitz der Oldie-Roller-Freunde. Prunkstück ist ein babyblauer Röhr-Roller mit Seitenwagen: "Das ist der einzige seiner Art."

Kontakte helfen bei akuter Ersatzteilnot

Das gesuchteste Exemplar ist ein Bastert-Roller, der einst als "Einspur-Auto" vermarktet wurde. Dazwischen: "Unser Bratwurst-Moped." Auf dem Sperrmüll habe man das Ding gefunden: "Wir waren uns sicher, dass wir das nicht brauchen können - deshalb haben wir es fertig gemacht."

Natürlich fährt auch dieses Ungetüm. Denn: Fahren muss ein Roller. Damit die guten Stücke nicht in der Ecke verschimmeln, organisieren die Freunde nicht nur spontane Ausfahrten oder Roller-Treffen: Alle zwei Jahre geht es für eine Woche knatternd durch die Lande. Ob Ardennen oder Großglockner - die Zweiräder schaffen jede Strecke. Meistens. "In Ruhpolding musste ich mal anhalten, weil der Motor kochte. Da kam ein Typ und erzählte, er hätte vor 40 Jahren das Trittbrett gegossen", schildert Holger Büchner.

Kontakte sind das A und O: Man brauche keinen dicken Geldbeutel, sondern Beziehungen - vor allem bei "akuter Ersatzteilnot".

Kontakt/Informationen: unter www.oldie-roller.de Schmallenberg. (anb) Ein großes Projekt der Oldie-Roller-Freunde ist bereits in der konkreten P?lanungsphase: Ab Herbst 2006 stellen sie für ein halbes Jahr 30 Oldie-Roller im Sauerlandmuseum Arnsberg aus. Das Drumherum darf auch dabei nicht fehlen: Eine nachgebaute Tankstelle, Urlaub in den Fünfzigern, eine Eisdiele mit Juke-Box - das alles soll das Lebensgefühl der Fifties lebendig werden lassen.

04.03.2005 Von Angelika Beuter

(Westfälische Rundschau April 2005)

 

Lokalausgabe Meschede
30.09.2005

Sauerlandkurier
Juni 2005

Westfälische Rundschau
April 2005

Handelsblatt
17.01.2003

Sauerlandkurier
12.09.1995

Tauber-Zeitung
14.09.1995

Sauerlandkurier
1993