![]() Aus "Boot" wird Beiwagen Gleidorf. Originale gibt es nicht mehr, Ersatzteile kaum. Was tut ein Tüftler, wenn er trotzdem einen Royal-Seitenwagen für seinen Motorroller aus den fünfziger Jahren haben will? Er lässt auf den Philippinen einen bauen. Und nicht nur einen, sondern gleich noch welche für seine Freunde. Christoph Brüning hat 1978 sein Herz für Oldieroller entdeckt, gehört zu den Schmallenberger Oldieroller-Freunden (SORF). Und der 49-jährige Gleidorfer hat einen guten Draht nach Asien: Der Textilmaschinenmechaniker überwacht als Reisetechniker seit 1988 in Thailand, auf den Philippinen, in Malaysia, Sri Lanka und China bei dortigen Partnern eines Textilunternehmens die Qualität. Als er 1991 auf die Philippinen kam, stachen ihm gleich die alten Motorroller ins Auge: "Ich habe ein kaputtes altes Ding gekauft. Eine Innocenti Lambretta, Baujahr 1956", erzählt Christoph Brüning. Im Wohnzimmer seiner Wohnung in Manila restaurierte er das Vehikel. Links und rechts der Straße fand er viele kleine Werkstätten, in denen er Ersatzteile aufstöberte oder anfertigen ließ. Das brachte ihn 1999 auf die Idee, einen deutschen Seitenwagen nachbauen zu lassen - einen Royal für seine Dürkopp Diana: "Der ist klein und filigran", schwärmt der 49-Jährige. Ein Nachbau ist in Deutschland unbezahlbar: "Hier läuft alles maschinell, unter 1 000 Stück fängt keiner an", erklärt Christoph Brüning. Da lag die Idee, in Asien einen "Blechkünstler" zu suchen, nahe: "Die machen alles in Handarbeit - auch Einzelstücke für kleines Geld." Der Gleidorfer nahm Maß am Original: Er besaß einen der einst in München gebauten Seitenwagen, aber "der war hinten total weggerostet". Er fotografierte das "Boot", wie Rollerfreunde das Oberteil des Seitenwagens nennen, schnitt Schablonen und schrieb Maße auf. Das alles nahm er mit auf die Philippinen. Aber die kleinen Werkstätten bissen nicht an: "Die haben alle abgewunken. Ich habe monatelang gesucht." Tüftler Alex in Manila traute sich: "Kein Problem, das machen wir dir." Ein Autospengler wurde geholt: "Der hat sonst Kotflügel zurecht gehämmert", schmunzelt Christoph Brüning, "der hat einfach losgelegt." Tüftler Alex "hat einfach losgelegt" Der erste Versuch in Handarbeit - das Blech wurde über Holz in Form gehämmert - war ein Debakel, wurde "sofort wieder platt geklopft". Doch Nummer zwei sah aus wie ein Seitenwagen: "Aber nicht wie der, den er machen sollte. Das Blech war viel zu dick, der war kugelsicher", erzählt der 49-Jährige. Aber die Richtung stimmte. Das dritte "Boot" gefiel Christoph Brüning so gut, dass er es behielt. Nummer vier bis sechs sahen noch Royal-ähnlicher aus und fanden Abnehmer im Freundeskreis. Bei ebay ersteigerten die Oldieroller-Freunde einen original Royal-Beiwagen mit Unfallschaden, schickten ihn nach Manila. Danach wurden noch sechs "Boote" gebaut: "Da sieht man keinen Unterschied mehr zum Original", sind sich die heimischen Bastler einig. Das nackte Boot, unlackiert, ohne Rahmen, Radnabe, Felge und Kotflügel, kommt in einer Holzkiste nach Deutschland. Norbert Brieden aus Grimminghausen baut die Radnaben nach. Weitere Teile finden sich auf Oldie-Flohmärkten. So entsteht nach und nach für jeden der Oldierroller ein Seitenwagen. Rollerfreund Holger Büchner aus Bad Fredeburg: "Wir haben inzwischen mehr Royals im Freundeskreis, als bei jedem Royal-Treffen dabei sind." Alex aus Manila und seine Kollegen warten auf weitere Aufträge: "Die haben das sehr gerne gemacht. Sie fragen immer: Wann dürfen wir wieder?" Von Angelika Beuter (Westfälische Rundschau) (wenn am oberen Rand keine Menüleiste zu sehen ist, bitte hier klicken) |
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